«Ihr müsst einen Teich bauen». Das sagt nicht etwa mein ehemaliger Biologielehrer, der im gleichen Quartier wohnt, auch nicht irgendeine Feng-Shui-volkshochschulbekurste Halbverwandte, sondern die Geologin, die in ihren frisch geputzten, gelben Gummistiefeln den Sickerversuch überwacht. Sickerversuch heisst, man baggert ein Loch ins Grundstück, knallt Kies rein, leert kubikweise Wasser nach und misst die Zeit, die es braucht, bis das Wasser wieder weg ist. Dann schreibt die Geologin darüber eine Abhandlung zuhanden der Baukommission. Ihr Autorenhonorar von 2500 Franken lässt erahnen, dass sie dafür mindestens fünf Tage in Klausur brauchen wird. Da sie den Bericht aber schon in zwei Tagen abgeben muss, tut sie mir fast etwas Leid, denn ich weiss, was es bedeutet, unter Zeitdruck eine Deadline auf sich zurasen zu sehen.

Uns lassen die 2500 Franken äusserst cool. Die bezahlen wir ja nicht selbst, sondern das wird nur der Hypothek belastet, sprich: Der Kantonalbank. Der Architekt beruhigt uns angesichts ihrer Preisvorstellung zusätzlich, indem er meint, auf die Bausumme von 1,4 Millionen gesehen, merke man diese 2500 Franken gar nicht. Von Architekten kann man lernen! (Diesen Trick wende ich nun öfters an. Ich habe mein Lebenseinkommen berechnet: Die vielleicht 80’000 Franken pro Jahr ergeben auf 40 Arbeitsjahre etwa 3,2 Millionen. Angesichts dieser Summe merke ich nun ganz viele Ausgaben auch nicht mehr, und ich finde, ich laufe seither um einiges eleganter durch die Gegend und esse viel besser, und mehr.)

«Ihr müsst einen Teich bauen». Wie kommen wir also zu diesem verbindlichen Rat der Geologin? Der Architekt erklärt uns: Das Wasser, das auf ein Grundstück falle, müsse auf selbigem versickern, damit es nicht das Nachbarsgrundstück flute. Wir hätten eine Terrasse geplant. Das Wasser, welches auf diese Terrasse falle, gelte als Spezialwasser, das nicht wie das Dachwasser einfach in die Sickergrube geleitet, sondern den Umweg über einen Teich machen müsse. Der Grund, und der Leser halte sich nun am Sitzmobiliar äusserst gut fest, der Grund: Wenn man z.B. Öl ausleere, was ja öfters geschehen kann, weil man bei der Outdoor-Tempel-Massage etwas zu kräftig auf die Massageöl-Tube drückt oder die Fritteuse auf der Terrasse entleert, soll diese Öllache ja nicht direkt ins Grundwasser, sondern eben in den Teich. Auf dessen Oberfläche erkenne man dann an der regenbogenfarbigen Spiegelung, da ist ja soeben Öl ausgeleert worden. Man weiss das zwar schon vorher, weil man bei der Untat in der Regel ja dabei ist, aber eine visuelle Erinnerung hilft, es nicht sofort wieder zu vergessen. Dann telefoniert man der Feuerwehr, diese rückt mit Speziallastern und in Vollmontur an, legt die Wirtschaft im Talkessel Schwyz vollständig lahm, weil die gesamte Truppe der freiwilligen Ortsfeuerwehr auf Pickett ist und man sicher gehen will, dass sich die Ölpest nicht vom leicht geneigten Hang unter der Schwyzer Rotenfluh nach Brunnen frisst, sich in den Vierwaldstättersee ergiesst, die endemischen Brutvögel ausrottet und die Scharen chinesischer Rütlitouristen aufgrund der verödeteten Ufergegend auf ewig fernhält.

Wir haben uns damit abgefunden, dass wir diesen Teich machen. Meine Frau hat gemeint, sie möchte darin Sardinen aussetzen, die sich in der Ölmarinade für ihr späteres Dasein auf einem Pizzateig fit schwimmen können.

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